12.06.18

Flexibilisierung oder Entgrenzung? Das Dialogforum diskutierte über die Digitalisierung der Arbeitswelt

Die Digitalisierung und ihre Folgen spielen natürlich auch für die Region Stuttgart eine wichtige Rolle. Um den schnellen Breitbandausbau in der Region kümmert sich zukünftig eine Servicegesellschaft, womit eine wichtige technische Hürde genommen ist. Doch was bedeutet die Digitalisierung für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und ganz konkret für die Gestaltung des eigenen Arbeitsplatzes? Darüber referierten Dr. Josephine Hofmann, Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation und Christian Gojowczyk, katholischer Betriebsseelsorger aus Ludwigsburg im Rahmen der Reihe „Ethik in der Region“ des Dialogforums der Kirchen.

Die Unterbrechung der Alltagswoche durch die Sabbatruhe sei eine der größten Errungenschaften der christlich-jüdischen Kultur, darauf machte Prälatin Gabriele Arnold in ihrem einführenden Impuls aufmerksam. Wenn es heute möglich sei, theoretisch immer und überall zu arbeiten, sei es Aufgabe der Kirchen, das Recht des Menschen auf Unerreichbarkeit und auf Intimität zu verteidigen.

Flexible Arbeitsformen werden zum einen von Arbeitnehmern gewünscht, so Dr. Josephine Hofmann in ihrem Vortrag. Andererseits hätten Arbeitgeber ein Interesse daran, über Flexibilisierung der Arbeit den Ressourceneinsatz zu optimieren. Ziel sei es, beide Interessen gut miteinander zu vereinbaren, auch wenn die Gefahr der Entgrenzung der Arbeit bestünde.

 

Den Begriff Entgrenzung rückte Christian Gojowczyk in den Mittelpunkt seines Beitrags. Er schlug vor, Flexibilisierung gedanklich durch Entgrenzung zu ersetzen, um erkennen zu können,  welchen Belastungen Arbeitnehmer ausgesetzt sind. Transparenz, die nur einseitig sei, d. h. dem Arbeitgeber erlaube, die Arbeitnehmer umfassend zu überwachen, sei eine Fehlentwicklung. Er plädierte für konsequenteres Anwenden der bestehenden Regelungen zur Arbeitszeitbegrenzung.

 

In der anschließenden Podiumsdiskussion wies Stefan Werner, Direktor im Oberkirchenrat der Württembergischen Landeskirche, darauf hin, dass die Kirchen sich der Wertediskussion im Zusammenhang mit Digitalisierung unbedingt stellen müssten. Dr. Sabine Stützle-Leinmüller, Wirtschaftsförderung Region Stuttgart, berichtete von den unterstützenden Maßnahmen der Wirtschaftsförderung für kleine und mittlere Unternehmen bezüglich der Einführung flexibler Arbeitsformen.

Im Schlusswort stellte Regionaldekan Dr. Heiko Merkelbach den analogen Menschen wieder in den Mittelpunkt: Als soziale Wesen sollten wir nicht vergessen, dass Menschen Beziehungen und Begegnungen brauchen und diese auch für den Arbeitsprozess inspirierend seien. 

„Arbeit ohne Grenzen? Die Digitalisierung der Arbeitswelt“ fand im Rahmen der Veranstaltungsreihe Ethik in der Region statt. Ca. 60 Regionalräte und Vertreter der Verwaltung des Verbands Region Stuttgart, Repräsentanten aus den Kommunen der Region, Vertreter der beiden Kirchen sowie Betriebsräte und Gewerkschaftler waren anwesend.

Franziska Panter visualisierte die Veranstaltungsbeiträge für uns.