15.07.19

Werden Maschinen menschenähnlich oder passt sich der Mensch Maschinen an? Das Dialogforum diskutierte über künstliche Intelligenz und die Folgen

Künstliche Intelligenz hilft uns bereits heute im Alltag - selbstfahrende Autos, Gesichtserkennung oder Staubsaugerroboter sind vielzitierte Beispiele dafür. In der Region Stuttgart wird künstliche Intelligenz immer wieder im Zusammenhang mit der Entwicklung des Arbeitsmarkts diskutiert und damit, ob Arbeitsplätze verloren gehen könnten.
Doch wo steht der Mensch in der digitalen Welt gerade und was passiert mit uns, wenn uns Maschinen immer mehr (Denk)Arbeit abnehmen? Und was ist Künstliche Intelligenz genau?

Diesen Fragen widmeten sich Prof. Dr. Klaus Koziol (Bischöflicher Beauftragter für Digitalisierung, Menschenwürde und humane Kommunikation der Diözese Rottenburg-Stuttgart) und Leonie Seng (Pädagogische Hochschule Ludwigsburg) im Rahmen der Reihe „Ethik in der Region“ des Dialogforums der Kirchen.

Kürzlich habe sie sich von einem Segensroboter segnen lassen, verriet Prälatin Gabriele Arnold in ihrer Einführung. Sie wisse selbst nicht genau, was sie davon halten sollte. Vermisst habe Sie auf jeden Fall den Augenkontakt.

Prof. Klaus Koziol identifizierte in seinem Vortrag die Beschleunigung als zentrales Phänomen unserer Zeit. Dadurch sei der Mensch überfordert und werde empfänglich für einfache Lösungen, wie sie die Digitalisierung anbieten würde. Letztendlich würden nicht Maschinen menschenähnlich, sondern der Mensch drohe, einer Maschine ähnlich zu werden, ein Phänomen, das mit dem Begriff „botification“ beschrieben wird. Es sei die Frage zu stellen, was „menschendienlich“ sein, d. h. das Kriterium der Menschendienlichkeit solle Zielpunkt jeder gesellschaftlichen Entwicklung sein.

Leonie Seng führte in ihrem Vortrag in den Begriff der Künstlichen Intelligenz ein. Letztendlich gehe es um maschinelles Lernen, was gleich viel weniger bedrohlich klingen würde, führte sie aus. Es werde unterschieden zwischen schwacher und starker Künstlicher Intelligenz. Während erstere bereits Anwendung finde, seien wir noch weit davon entfernt, starke Künstliche Intelligenz zu entwickeln. Zumindest im Moment seien denkende Maschinen, die sich selbständig machen könnten, noch nicht vorstellbar.

In der anschließenden Podiumsdiskussion ergänzten Dr. Reinhard Stumpe (Wirtschaftsförderung Region Stuttgart) und Dr. Nico Friederich (Verantwortlicher für Digitalen Wandel in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg), dass es darauf ankomme, was der Mensch aus den Möglichkeiten, die die Künstliche Intelligenz bietet, mache. Neue Technologien könnten immer für oder gegen den Menschen eingesetzt werden.

Mensch-Maschine-Ethik. Künstliche Intelligenz und die Folgen“ fand im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Ethik in der Region“ statt. Ca. 30 Regionalräte und Vertreter der Verwaltung des Verbands Region Stuttgart, sowie Repräsentanten aus den Kommunen der Region und Vertreter der beiden Kirchen waren anwesend.